
Absolut lesenswert! - Die Abhandlung über die Ungleichheit von Jean-Jacques Rousseau ist eine absolut brillante Theorie des schweizer Philosophen. Rousseau zeigt in seinem sozialkritischen Buch die Verfehlungen der kapitalistischen Gesellschaft auf. Rousseau, den man heutzutage wohl als stark politisch linksgerichtet bezeichnen könnte, kritisiert u.a. das scheinfreundliche Verhalten der Menschen, welches ihnen nur zu ihrem Vorteil dienen soll. Die Kernthese des Büchleins ist aber, dass der Mensch als wildes Tier laut Rousseau noch keine Unterschiede kannte und somit auch kaum Böse war. Das einfache Leben der Wilden definiert Rousseau als Freiheit, die Geldwirtschaft als Knechtschaft.
Die Zivilisation, der Untergang des Mensch(lich)en - Rousseau entwirft in seinem Buch ausfuehrlich das Bild des Menschen im Naturzustand. Entgegen neuerer archaeologischer Erkenntisse geht er dabei von vereinzelt lebenden Individuen aus, die ausser zur Vermehrung keinen Kontakt zueinander suchen. Dieser glueckliche Urzustand wird durch die aus dieser vorteilhaften Lebensweise resultierende Ueberbevoelkerung schlieslich unmoeglich gemacht. Es bilden sich Familien und der Mensch wird sesshaft. Durch die Familie entsteht die Sprache. Durch die Sprache wird die Gesellschaft erst moeglich. Das Eigentum entsteht, und durch die dadurch irgendwann entstehende Verteilungsungleichheit entstehen Arm und Reich. Auf Betreiben der Reichen willigen die Armen in eine verfasste Gesellschaft, einen Staat ein, der aber von den Reichen zur Sicherung und zum Ausbau ihres Reichtums verwendet wird. Dies fuehrt schlieslich zu Unterdrueckung und Tyrannei, und letztlich zum Recht des Staerkeren.Rousseau befasst sich mit der Entstehung des Menschen, wie man ihn heute kennt. In vielen Dingen ist er seiner Zeit weit voraus, so sind z.B. in diesem Werk bereits manche Gedanken der Romantik zu finden. Dem durch die Zivilisation entarteten Menschen wird der reine Naturmensch gegenuebergestellt. Rousseau stellt der These des boesen Menschen, der durch die Regierung gebaendigt werden muesse, seine These des guten Menschen, der, durch die Zivilisation korumpiert, vom Staat nur ungenuegend an der freien Auslebung seiner Schlechtigkeit, die der Staat noch befoerdert, gehindert wird. Damit setzte er einen deutlichen Kontrapunkt zum beruehmtem Zitat Homo homini lupus est, auf dem Hobbes Verteidigung der Monarchischen Regierungsfom beruhte (Leviathan). Ob als Grundlage fuer ein besseres Verstaendniss seiner beruehmten Schrift ueber den Gesellschaftsvertrag, die Rousseaus spaeter verfasste, oder als Abhandlung ueber den Menschen an sich, dieses zivilisationskritische Werk ist ein Muss fuer jeden, der sich mit Staatstheorie ausseinandersetzt. Rousseaus Werk beinflusste die franzoesische Revolution und die gesamte moderne Staatstheorie, ob Anarchismus, Demokratie oder Kommunismus. Ein lesenswerter Lobgesang auf die Freiheit.
Wohlstand kontra Wahrheit - Rousseau weist auf das Mißverhältniss zwischen dem Bemühen zu weltlichem Wohlstand zu gelangen und dem Streben nach spiritueller Wahrheit hin. Die meisten Menschen verbringen soviel Zeit damit für Geld zu denken, sprechen und zu handeln, daß ihnen kaum die Muße bleibt über die Wahrheit der Welt und damit des Selbst nachzudenken.