
nur bedingt empfehlenswerte Ausgabe - Dieses Buch steht in Konkurrenz zur Weischedel-Ausgabe des Suhrkamp-Verlages, zur Timmermann-Ausgabe von Vandenhoeck, zur Reclam- und zur Meiner-Ausgabe. Für eine kostengünstige Lektüre reicht grundsätzlich die Reclam-Ausgabe vollkommen aus. Reclam bietet allerdings keine Originalpaginierungsangabe, durch die normalerweise wissenschaftlich zitiert wird, das Heftchen zerfleddert leicht und bietet keinen Rand für Anmerkungen. Die Vandenhoeck-Ausgabe ist die teuerste mit 20€ und dieser Preis ist vergleichsweise zu hoch. Die Weischedel-Ausgabe hat keine Originalpaginierung, für Randbemerkungen ist zu wenig Platz, in ihr ist aber noch die Kritik der praktischen Vernunft enthalten. Für einen naheliegenden Vergleich bietet sich mit der hier vorliegenden Suhrkamp-Ausgabe die des Meiner-Verlags an. Für die Suhrkamp-Studienausgabe spricht, dass es sich um ein handliches Exemplar handelt, das die Originalpaginierung und, und das ist wirklich toll, die Originalpaginierungszeilenangaben enthält. Zudem hat es insgesamt mit fast 250 Extraseiten den größten Bestand an Zusatzmaterial. Das Zusatzmaterial ist aber enttäuschend und taugt größtenteils nur dazu, eine Gegenmeinung zu den Autoren zu erstellen. Es wird ein Kommentar angekündigt, aber es werden nur weitläufige Bemerkungen zu einzelnen Wortzusammenstellungen des Textes gegeben. Ein Kommentar ist eigentlich die satzgenaue Auslegung eines Textes (Das wäre auch mal eine schöne Aufgabe für die Grundlegung.). Die systematische Einführung ist Free-Style-Philosophy und hat wenig Bezug zum eigentlichen Text, was sich schon dadurch ausdrückt, dass kaum Textverweise, wo das denn stehen soll, worüber gerade gesprochen wird, gegeben werden. Das Problem des Buches ist, dass der eigenständige Teil der Herausgeber den oberflächlichen Patchwork-Charakter (im Stile Höffes) nicht los wird. Um dies einmal näher zu erläutern, verweise ich auf folgende Passage: (S.267) Worin auch immer Kants in der Grundlegung geleistete Moralbegründung liegen mag, er hat an ihr bereits wenige Jahre später nicht mehr festgehalten. Sprich: Was immer A ist (das braucht der Erstleser soooo genau nicht wissen), Kant sagt in der KpV nichts mehr von A. Frage a) Verhält es sich tatsächlich so? Frage b) Sollen Schüler oder Studenten, die sich dem Text nähern wollen, das tatsächlich verstehen? Frage b) ist rhetorisch, weil ich Frage a) verneine. Ich werfe den Herausgebern an dieser Stelle mangelhafte Lektüre vor (und das in einem Buch FÜR Schüler). Sie hätten wenigstens einmal der Idee nachgehen sollen, dass die Ergebnisse, die in der Grundlegung getroffen werden, zur KpV in Einklang stehen. Dann wäre ihnen aufgefallen, dass man die KpV so lesen kann, dass Kant mit dem dort beschriebenen hinreichenden Beweis, der an anderer Stelle gegeben worden sei, auf die Grundlegung verweist. Eine Befassung mit diesem Gedanken wäre gerade für das Zielpublikum dieses Bandes sehr interessant. Fazit: Die Meiner-Ausgabe hat das bessere Glossar und die besseren Bibliographie-Angaben (bei der Suhrkamp-Studienausgabe fehlt bspw. der wertvolle Hinweis auf Patons The aim and structure of Kant s Grundlegung oder auch Thomas Mertens niederländische Ausgabe mit eigenen Anmerkungen und Unterstützung durch Geismann und Pogge), die sich zudem direkt auf die Grundlegung beziehen und nicht auf die gesamte Ethik Kants. Daher bleibt die Meiner-Ausgabe noch die erste Wahl für Erstleser.
An sich gelungene Ausgabe mit leichten Mängeln beim Kommentar - Diese Ausgabe von Immanuel Kants Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, erschienen in der Studienbibliothek des Suhrkamp Verlags, stellt eine gute und informationsreiche Ausgabe dar, welche mit ihrem ausführlichen Kommentar durchweg gut für Philosophiestudenten geeignet ist.Neben dem reinen Textkommentar steuern Prof. Dr. Christoph Horn, sowie seine Mitarbeiterin Dr. Corinna Mieth (beide von der Universität Bonn) sowie Dr. Nico Scarano (Universität Tübingen) eine historische wie systematische Einführung, eine Zeittafel, sowie die obligatorische Auswahlbibliographie bei, Außerdem ist ein recht praktisches Glossar ebenso enthalten, wie eine Übersicht über die Reflexionsgeschichte, in welcher in kurzen Beiträgen auf die Reaktion respektive Kritiken von etwa Hegel, Schopenhauer, Rawls u.a. an Kants GMS eingegangen wird.Für Neueinsteiger in die Materie, welche sich in den Feinheiten philosophischen Denkens und logischer Argumentationen nicht auskennen, ist die Ausgabe jedoch eher UNgeeignet.Der Grund dafür liegt in dem einzigen wirklichen Manko dieser Ausgabe, dem stellenweise etwas unobjektiven Kommentar. Auch wenn sich dieser an sich recht sachlich, leicht lesbar und verständlich präsentiert, tritt des öfteren doch die sehr pro-kantianische Einstellung des Autorengespanns Horn/Mieth/Scarano in den Vordergrund, was dem unbedarften Leser eine objektive Reflektion erschwert. Insbesondere im Abschnitt Zur Rezeptionsgeschichte fällt dies ins Auge, wo dem Leser allein durch die Art der Formulierung und die inhaltliche Präsentation in Form von sehr plakativen, aus dem Argumentationszusammenhang gerissenen Zitaten, suggeriert wird, die Gegenargumente von Kantkritikern wie Hegel oder Schopenhauer seien zumindest fragwürdig, wenn nicht gar vollkommen falsch und absurd.Auch im eigentlichen Textkommentar finden sich immer wieder solche Stellen, i.e. im dritten Abschnitt der Anmerkung zu Kants umstrittener Testpassage ohne alle Neigung, lediglich aus Pflicht:Wird zuerst sehr sachlich und verständlich die Kritik an Kant (i.e. von Schiller) wiedergegeben, folgt darauf ein - vollkommen legitimer und stichhaltiger - Versuch, diese mit Hilfe einer, vor allem bei modernen Kantianern beliebten, wohlwollenden Interpretation der Textpassage auszuräumen.Im dritten Abschnitt folgt dann eine (scheinbar bewertende) Schlußfolgerung, in welcher die Autoren - nachdem Sie indirekt eine volle Breitseite auf Schopenhauer abgegeben haben (eine allgemein geschätzte Neigung, wie z.B. das Mitgefühl, [...] ist also kein Garant für moralkonforme Handlungen) - zu dem Schluß kommen, das Pflichtmotiv [...] garantiert moralisches Verhalten sogar gegen den Widerstand der Neigungen und macht es damit zuverlässig.Diese ganze Schlußfolgerung basiert jedoch, wie fairerweise zu Anfang des Abschnitts gesagt wird, auf der Betrachtung von Kants Klassifikation der Handlungen - was den ganzen Abschnitt letztlich obsolet und für den unerfahrenden Leser irreführend macht, Der logische Sinnzusammenhang lässt sich nämlich auf die einfache Aussage herunterbrechen:Akzeptiert man Kants Klassifikation der [moralischen] Handlungen, welche seinen kategorischen Imperativ zu Grunde legt, so kommt man zu dem Schluß, daß Handeln im Sinne des kategorischen Imperativs moralisch ist.Kurzum, die Autoren machen in diesem Abschnitt in vergleichbarer Weise das, was Schopenhauer schon Kant vorgeworfen hat: Die Grundlage Ihrer Schlussfolgerung ist die Schlussfolgerung selbst respektive andersherum.Denn nur so, wenn schon vorher definiert ist, wann Handeln moralisch ist, kann bewertet werden, ob ein bestimmtes Handeln aus Mitgefühl (im Text Sterbehilfe, sowie Hilfe für gesuchten Mörder), aus Streben nach Ehre, Furcht vor Strafe, oder eben aus Pflicht moralisch ist. Daß aber nur letztere Handlung aus Pflicht moralkonform ist, basiert eben auf der am Anfang des Abschnitts getroffenen Annahme der Gültigkeit von Kants Klassifikation der Handlungen, und damit auch des kategorischen Imperativs, welcher aber eben besagt, daß Handeln aus Pflicht und eben nicht aus Neigung moralisch ist. Der Fuchs beißt sich selber in den Schwanz.Dadutch wird auch beispielsweise Schopenhauers Prinzip des Mitgefühls als Grundlage der Moral schon von vornherein, weil schon in der Annahme ausgeschlossen, und damit dann letztlich als falsch bewertet, was eine kritische Betrachtung und Vergleich der beiden Positionen dem (unerfahrenen) Leser später nur erschwert und jeglichem objektiven Anspruch zuwider läuft.FAZIT:Trotz einiger Mängel bezüglich der Objektivität des Kommentars, stellt diese Ausgabe der GMS für den Philosophiestudenten - vor allem aufgrund des hohen Informationsgehalts, und der leicht verständlichen Erläuterungen - letztlich eine lohnende Anschaffung dar.
Notwendig a priori! - Wenn Sie schon immer einmal wissen wollten, woher der Begriff Kategorischer Imperativ stammt und wie er im Einzelnen definiert und angewendet wird, dann ist die GMS das Buch, das Sie gesucht haben.Philosophie noch aus einem Guss, verpackt in ein begriffliches System, das einen zwischen dem Eindruck der Genialität und dem der Redundanz und Zirkularität schwanken lässt. In jedem Fall aber nicht nur philosophische Anfangsgründe, sondern auch philologisch-literarischer Genuss. Das Reclamheftchen bietet eine sehr preiswerte Möglichkeit, ein maßgebliches Stück deutscher Geistesgeschichte zu erwerben und sei von dieser Stelle vor allem dem Anfänger anempfohlen.
Grundlegendes Werk für Kants Moralphilosophie - 1785 erscheint die ,,Grundlegung zur Metaphysik der Sitten von Immanuel Kant. Das Werk gilt als Vorläufer der ,,Kritik der praktischen Vernunft (1788) und der ,,Metaphysik der Sitten (1797) und reiht sich damit in die Werke der Kant¢schen Moralphilosophie ein. Die Moralphilosophie Kants wird geleitet durch die Frage ,,Was soll ich tun? oder auch ,,Wie soll ich handeln?. Unser Handeln wird durch den menschlichen Willen bestimmt. Daher gibt es für die Beantwortung dieser Frage grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Entweder wird unser Wille durch Gesetze bestimmt, die in uns selbst, in unserer Vernunft liegen. In diesem Fall wäre die Vernunft selbstgesetzgebend. Oder unser Wille wird bestimmt durch etwas, dass außer uns, außerhalb unserer Vernunft liegt. Dann wäre unser Wille durch ein fremdes Gesetz bestimmt. Alle bisherigen Versuche der Philosophie, eine Ethik als Lehre vom richtigen Handeln zu entwickeln, haben nach Kant den Fehler, dass sie den Bestimmungsgrad für unseren Willen außerhalb unser selbst legen. Kant entgegnet dieser Auffassung mit der von ihm selbst eingeleiteten Kopernikanischen Wende. Diese vertritt die Ansicht, dass die Gegenstände sich nach unserer Erkenntnis richten und nicht umgekehrt. Dadurch geleitet, ist Kant der Überzeugung, dass die Moralgesetze Bestandteil der Vernunft, also unserer selbst sind. Denn das Erstreben von Idealen, wie Glückseeligkeit oder Vollkommenheit ist geprägt von Erfahrungen, die verschiedenartig jedem einzelnen durch die Außenwelt gegeben werden. Sie können daher niemals Ursache eines Moralverständnisses sein. Ein wirklich allgemein geltendes Prinzip könnte nach den Vorstellungen Kants nur der Vernunft entnommen werden. Dieses ist der Grundsatz auf den Kant seine ,,Grundlegung zur Metaphysik der Sitten aufbaut.